+ JETZT AUCH BEI AMAZON VIDEO + 'Inside HogeSa' - Von der Strasse ins Parlament (92 min, 2018) +


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Köln, am letzten Oktobersonntag 2014. Tausende von muskelbepackten Männern, die unter dem Motto 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) durch die Kölner Innenstadt ziehen. Hooligans, Türsteher, Rocker, Rechtsradikale. Die Demonstration endet in Ausschreitungen am Hauptbahnhof. Tagelang bestimmen die Ereignisse von Köln, bestimmt das Bild vom umgekippten Polizeibus, die Schlagzeilen. Die Öffentlichkeit fragt sich seither: wie konnte dies passieren? Warum haben die Sicherheitsbehörden geschlafen?

In der Folgezeit dominieren - in Ost wie West - 'Pegida-Demonstrationen das Straßenbild. Im Herbst 2017 schließlich zieht die AfD in den Deutschen Bundestag ein. Politikwissenschaftler und LKA-Ermittler sind sich einig: 'HogeSa' hat für diese Entwicklung den direkten Anstoß gegeben.


In 'Inside HogeSa - Von der Straße ins Parlament' begleiten wir die Protagonisten der Szene vier Jahre lang. Zum ersten Mal reden rechte Hooligans,'Nationale Sozialisten' und 'Pegida'-Vertreter offen vor der Kamera. Ein 92-Minuten-langer Dokumentarfilm, der einen Einblick in eine Szene gibt, den es so vorher noch nicht gab. Der durchaus schockieren kann.

Wen der Trailer neugierig gemacht hat, kann sich gern den kompletten Film ansehen. Er kostet 4,99 (Ausleihe 48 Stunden) und 9,99 Euro (all). Wer den Film kauft, bekommt zahlreiche Interviews in voller Länge zu sehen. Und Zugang zu einem 106 Minuten langen 'Directors Cut', mit bisher unveröffentlichten Szenen.

Triathlon - Wie ein Jedermann zum 'Finisher' werden kann

triathlon ratingen2 2018Einmal über die Ziellinie laufen, ein 'Finisher' werden. Dies ist möglich, egal in welcher Saison. Ab dem Frühjahr starten überall die Anmeldungen, da finden sich Startplätze für Jeden. Nur nicht zu spät buchen. Denn: Triathlon ist 'in'. 

Für Einsteiger zu empfehlen sind die Wettkämpfe in Velen, Kallinchen und Krefeld. Auch weil hier nicht unbedingt abgezockt wird, wie bei den Veranstaltungen in Hamburg, Düsseldorf oder Köln. Hier wird - zum Beispiel - auch der sogenannte Schnuppertriathlon (0,2/0,3 Schwimmen - 9-15 km Rad - 2,5 bis 4 km Laufen) angeboten. Das ist mit etwas Trainingsaufwand durchaus machbar.

Ein wenig Sport sollte man bisher allerdings schon gemacht haben. Wer für sich allein 400 Meter Schwimmen kann, kürzlich mal drei bis fünf Kilometer gelaufen ist und mit dem Rad zur Arbeit fährt oder regelmäßig durch die Stadt crosst - dem winkt 2019 noch ein begehrtes Finisher-T-Shirt oder eine Medaille. Allerdings: ohne 'Biss' geht es nicht!!

Ihr könnt euch auch an längeren Distanzen versuchen. Mehr als eine Badehose (Bikini oder Badeanzug), ein Rennrad (zur Not auch mit Einkaufkörbchen) und ein paar Turnschuhe (nicht abgelatscht) braucht man als Anfänger nicht. Den Trainingsumfang sollte man zum Wettkampf hin kontinuierlich steigern. Zwei bis eine Woche zuvor empfielt sich durchaus auch mal ein sogenanntes Koppeltraining. 30 bis 45 Minuten Rad, danach schnell in die Laufschuhe rein und noch mal so viel Joggen. Auch wenn es weh tut, es lohnt sich. Drei bis zwei Tage vor dem Wettkampf dann einfach mal nix machen.

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Mein erster Triathlon: Frodeno, Sinnfragen und das erste Mal

von Jenna Zita Günnewig

jenna5_triathlon_2011Warum mache ich das? Warum springe ich am frühen Sonntagmorgen in ein dunkelgrünes, kaltes Hafenbecken? Auf dem Ponton des Düsseldorfer Medienhafens, Minuten vor dem Start stelle ich mir Sinnfragen. Die gelbe Badekappe sitz irgendwie nicht, meine Füße sind Eisklumpen und die Konkurrenz brabbelt aufgeregt vor sich hin. Ich trage Bikini, 130 andere Neoprenanzug.

Ich weiß weder, ob ich rechts oder links um die viel zu weit entfernt scheinenden Bojen schwimmen, noch wie viele Runden ich irgendwann später mit meinem Fahrrad drehen soll. Der Wettkampfbesprechungs-Mann brüllt etwas von „zwei Laps“, die Frau neben mir glaubt an drei und ich war optimistisch davon ausgegangen, dass wir nur eine Runde fahren müssen.

Düsseldorf richtet zum ersten Mal einen Triathlon rund um den schicken Medienhafen aus. Ich bin bei der Sprintdistanz dabei - die Stadt und ich feiern quasi gemeinsam Triathlon-Premiere.

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Sport inside: Verdächtiger Dreikampf - Über Doping im Triathlon

triathlonein Film von Fred Kowasch und Ralf Meutgens (2010)

Ein Septemberwochenende in Köln am Fühlinger See. Kurz vor dem Saisonhöhepunkt auf Hawaii. Tausende Hobby- und Profiathleten zelebrieren ihre Sportart. Eine Sportart auf die bisher kaum ein Schatten fällt.

Wir sind verabredet mit Phillipp Görgen. Er ist selbst Leistungssportler auf der Sprintdistanz. Görgen hat mit zahlreichen Spitzenathleten gesprochen, weil er eine Doktorarbeit schreiben will. Thema Doping im Triathlon. Ein Thema, mit dem man sich nicht unbedingt Freunde macht, aber das auch im Triathlon ein ernstzunehmendes Problem darstellt.

Philipp Görgen:
"Zu den Substanzen, die gern genommen werden kann man sagen, daß es sich hier ähnlich verhält wie bei anderen Ausdauersportarten auch, beispielsweise beim Radsport. Epo ist sicherlich an erster Stelle zu nennen, Wachstumshormone, Insulin, aber auch S 107."


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Im Original. Zum Download: Das Nike-Oregon-Projekt (pdf, 4 mb, March 17, 2016)

11.10.2019
Da wurde der öffentliche Druck wohl zu groß: After Salazar Ban, Nike shuts down the Oregon Project. Wenige Tage nach dem Ende der Leichtathletik-WM zieht der US-Sportartikelhersteller die Reißleine. Zu viele geleakte Mails, zu viel negative Presse. Dürfte interessant sein, wo Konstanze Klosterhalfen - die deutsche WM-Bronzemedaillengewinnerin über 5.000 Meter - zukünftig trainiert.

nike oregon project02.10.2019
Was für ein 'Zufall'. Passend zur laufenden Leichtathletik-WM 2019 im Wüstenstaat Katar die Sperre für einen umstrittenen Trainer. Einen besseren Zeitpunkt der Aufmerksamkeit konnte die amerikanische Anti-Dopingbehörde USADA eigentlich nicht finden. Im Raum steht die Anwendung verbotener Substanzen, die Verschleierung von Daten in Verbindung mit Dopingkontrollen und der Besitz und Handel mit Testosteron (Entscheidung USADA, .pdf).

Im Klartext: vier Jahre Sperre für Alberto Salazar. Nach jahrelangen Ermittlungen gegen ihn und seine Trainingsgruppe.

Das NIKE-Oregon-Projekt des amerikanischen Trainers Alberto Salazar. Bereits in der Vergangenheit standen seine Methoden - mit denen er Langstreckenläufer an der amerikanischen Westküste betreut - unter dem Verdacht der Manipulation

Vor allem seitdem die Hackergruppe 'Fancy Bears' - zusammen mit anderen brisanten Dokumenten - vor knapp drei Jahren den internen Bericht der amerikanischen Anti-Dopingbehörde in die Öffentlichkeit lanciert hatte. Ein Dokument, dass es in sich hat. Und dass wir - im Sinne der Aufklärung und Transparenz - nun erneut publik machen.

Vor allem vor dem Hintergrund, da mit Konstanze Klosterhalfen seit knapp einem Jahr dort eine deutsche WM-Medaillenkandidatin trainiert - Eine Läuferin in zweifelhaftem Millieus. Die 22jährige, die als eine der Mitfavoritinnen über die 5.000 Meter in Katar gilt, verbesserte zu den Deutschen Meisterschaften Anfang August in Berlin ihre zwei Jahre alte Bestzeit um mehr als 24 Sekunden.

pdf Der Bericht der amerikanischen Anti-Doping-Behörde USADA zum NIKE-Oregon-Projekt

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Idriss Gonschinska - Über die Doping-Vergangenheit des DLV-Generaldirektors

Er ist der Generaldirektor im Deutschen Leichtathletikverband (DLV) - Idriss Gonschinska. Als früherer DLV-Cheftrainer vertrat er öffentlich eine klare Anti-Dopinghaltung. So forderte er - in Bezug auf den russischen Doping-Skandal in einem Interview vom 9. Januar 2017 auf der Internetseite www.berlin2018.info wörtlich: ".... für eine Rückgewinnung sämtlicher Glaubwürdigkeit braucht es weltweit den absolut transparenten Athleten. Nur eine komplette Offenlegung kann hier auf Dauer wieder Gleichheit schaffen. Diese Bereitschaft müssen alle mitbringen."

Doch: wie sieht es selbst mit der Transparenz von Idriss Gonschinska aus? Eine Spurensuche von Fred Kowasch und Ralf Meutgens


Es ist ein Eintrag in einem Leichtathletik-Blog. Hier wird die Frage: Sollen Dopingssünder Trainer werden (dürfen)? gestellt. Und: es wird auch über die Vergangenheit von Idriss Gonschinska intensiv diskutiert. Denn der ehemals leitende DLV-Cheftrainer - und heutige DLV-Generaldirektor - ist ein ausgewiesener Ex-Doper.

grafik IG 2Dies geht aus dem Buch 'Doping-Forschung - Von der Forschung zum Betrug' von Brigitte Berendonk (Springer-Verlag, 1991) hervor. Dieses Buch gilt als das Standardwerk über das Staatsdoping in der DDR. So soll Gonschinska in seiner Zeit als 110-Meter Hürdensprinter beim SC DHfK in Leipzig von 1986 bis 1988 verbotene Anabolika eingenommen haben. Neben dem Medikament Oral-Turinabol (292 mg in der Saison 1986/87 und 92 mg in der Saison 1987/88) auch das Mittel Mestanalon (340 mg in der Saison 1987/88).

Wie detailliert die Doping-Gaben waren und über welchen Zeitraum sie erfolgten, zeigt u. a. der 'Ergebnisbericht zur Wirkung von Training und wiederholter Applikation von unterstützenden Mitteln (....) am Beispiel leichtathletischer Sprint/Hürdendisziplinen' von D. Nicklas und R. Sattler, aus dem November 1987 in Leipzig. Die Abkürzung IG steht dabei für Idriss Gonschinska. Diese Untersuchung liegt uns - in Kopie - vollständig vor. Auf ihr basieren die von Brigitte Berendonk in ihrem Standartwerk über DDR-Doping ermittelten Werte an Anabolikagaben.  

Im Rahmen einer Recherche im September 2016 - für das WDR-Hintergrundmagazin 'Sport inside' - befragten wir in der 'Causa Gonschinska' nicht nur den leitenden DLV-Generalsekretär Frank Hensel, sondern stellten unsere Fragen auch schriftlich an den leitenden DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska. Dieser antwortete ausführlich. Seine Antworten auf unsere Fragen sind drei Din-A4-Seiten lang.

Gonschinska räumt ein, diese in der Arbeit erwähnten Medikamente eingenommen zu haben. Er verweist in diesem Zusammenhang auf seine damalige Situation in der DDR. Wörtlich heißt es in seiner Erklärung: "Entsprechend der Unterlagen war ich ca 17 bzw 18 Jahre alt und wurde aus heutiger Sicht ein Teil eines Forschungsprogrammes bzw. von Versuchen an jungen Sportlern, die letztendlich nur als inhuman zu beschreiben sind." (....) Da wurde etwas mit Dir gemacht, dass Du nicht richtig eingeordnet hast, dass Du aus der heutigen Perspektive nicht richtig einordnen konntest und das nicht richtig war. Tragweite, Bedeutung, Nebenwirkungen und langfristige Risiken waren weder mir noch meiner Mutter bekannt."

Warum er zu seiner Doping-Vergangenheit bisher öffentlich geschwiegen habe, beantwortet der amtierende DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska wie folgt: "Das Geschehene kann ich nicht mehr ändern. Ich musste erkennen und akzeptieren, dass ich als junger Sportler ohne zu begreifen ein Teil eines unrechten Systems war. Über negative Erfahrungen öffentlich zu sprechen, Personen als Täter zu benennen und anzuklagen mag für einige Menschen der richtige Weg sein. Andere gehen andere Wege. Sie versuchen etwas stiller zu verarbeiten in ihrer Arbeit Impulse zu setzen und so beizutragen, dass so etwas möglichst bei uns nicht wieder mit jungen Sportlern passieren kann."

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Ortsderby: Lok gegen Chemie (legendäre Aufnahmen von 2007)

BSG Chemie Leipzig gegen Lokomotive Leipzig. Das härteste Ortsderby ever.

A.C.A.B. (All Cops are Bastard) - Ein Banner mit diesem Schriftzug prangte vor Anpfiff über der Heim-Fankurve. Denn ein Derby ohne Gästefans ist keine Derby. Im Vorfeld hatte die Polizei - im Verbund mit dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) - regide Zugangsbeschränkungen für L.O.K.-Fans verfügt. Die wollten sich der Willkür nicht beugen, verzichteten deshalb auf Gästekarten.

Dass Derby gewann Chemie verdient. Kämpferisch besser, präsenter auf dem Platz. Und: gnadenlos effektiv. Der erste Derbysieg für Chemie Leipzig seit acht Jahren .... Hier ein paar Eindrücke von den Auseinandersetzungen im Oktober 2007.

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Immer noch aktuell: Die 'Nada' - Ein Placebo für die Öffentlichkeit (Reblog)

Ein Film von Fred Kowasch und Ralf Meutgens - sport inside, 17.03.2014, 22:45 Uhr (WDR)

Das Anti-Doping-System in Deutschland wird oft als leuchtendes Beispiel genommen. Viele Kontrollen, zwei hoch angesehene Analyselabore, zahlreiche Kontrolleuren und ein kleinteiliges Meldesystem – insgesamt hervorragende Voraussetzungen. Dennoch liegt die Erfolgsquote der deutschen Dopingjäger bei ihren tausenden Trainingskontrollen gerade mal bei 0,1 Prozent. Warum werden nur so wenige Sportler positiv getestet, wenn in anonymen Umfragen bis zu 35 Prozent von ihnen angeben, verbotene Mittel zu nehmen? Finanziert wird das System, bei dem eine Probe bis zu 600 Euro kostet, vor allem vom Bund – und damit vom Steuerzahler – von einigen Sponsoren und den Sportverbänden. Ansonsten trifft man bei Nachfragen eher auf Schweigen – eine interne Anweisung der NADA untersagt ihren Auftragnehmern die Kommunikation mit Medien. Das deutsche Anti-Doping-System scheint vor allem ein Placebo für die Öffentlichkeit zu sein, das den Glauben an die konsequente und erfolgreiche Doping-Bekämpfung erhalten soll. (Text WDR, März 2014)

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"Am Besten, Du machst ab Sonntag Dein Handy aus!" - Was Whistleblower erleben

von Fred Kowasch

Der Umgang mit Whistleblowern - er glich jahrelang einem Drahtseilakt. Nun hat die Europäische Union eine Richtlinie verabschiedet, die Hinweisgebern Rechtssicherheit vermitteln soll. Ehe dies jedoch in nationales Gesetz umgesetzt wird, können noch Jahre vergehen. 


"Am Besten Du machst ab Sonntag Dein Handy aus. Für ein paar Tage!"  Eine besseren Tipp konnte ich dem Whistleblower damals nicht geben. Denn ich war selbst überfordert. Wer bereitet einen in der Journalistenschule schon auf den Umgang mit Whistleblowern vor?! Wer weiss, ob die Story wirklich 'steil' geht? Ob sie nicht unkommentiert vor sich hin rottet ....

Diese Story allerdings ging steil. Sehr steil sogar. ARD-Sportschau, ZDF-Heute-Nachrichten, WDR-'Sport inside'. Und, und, und. Irgendwann bist Du als Filmemacher (und Produzent) dann schlicht auch überfordert. Wer kann sich dann noch um seinen Informanten kümmern?! Den, der so einen öffentlichen Aufschrei noch nie erlebt hat. Der, der in seinem Kämmerchen vor dem ausgeschalteten Handy sitzt, während im Mail-Acount eine Nachricht nach der anderen eingeht.

Solche Tage bedeuten Stress. Jeder will etwas von Dir. Da muß auf die Presseerklärung des Sportverbandes geantwortet werden. Der Redakteur drängelt. Vorwürfe gegen unseren Informanten stehen im Raum. Wie kontert man die am Besten, wenn nebenbei noch ein weiterer Film zu machen ist? Wie ist es mit einem Anwalt? Wer stellt ihn? Wer muss ihn bezahlen?

TV-Sender nehmen solche Enthüllungen ganz gerne mit. Investigative Geschichten führen zu Anerkennung unter den Kollegen, am Ende winkt vielleicht sogar ein Fernsehpreis. Nur: um einen Anwalt - der ihn rechtlich berät - muss sich der Whistleblower selbst kümmern. Ihn aus der eigenen Tasche bezahlen. Irgendwie geht dass nicht. Es Ist auch nicht zu akzeptieren, dass - nur weil der Whistleblower aufgrund massiven rechtlichen Druckes seine Aussage später ein wenig modifiziert - er (und seine Geschichte) plötzlich regelrecht in Ungnade fallen. Die Redaktion sich einer Folgestory verweigert. Obwohl der Fall bei Staatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt weite Kreise zieht. Sie dort den Wert der Insiderinformationen zu schätzen wissen. Andere Medien weiterhin über den Fall berichten.

Der richtige Umgang mit Whistleblowern. Er steht in keinem Lehrbuch. Denn jeder Fall ist anders. Jedes Motiv, sich zu offenbaren und an die Medien zu wenden, liegt eine andere persönliche Geschichte zu Grunde. Die zu erfahren, den persönlichen Hintergrund exakt zu verifizieren, ist schwierig. Braucht Einfühlungsvermögen, erfordert Zeit. Die Frage nach seinem Motiv 'auszupacken' - als Filmemacher habe ich sie an den Whistleblower wieder und wieder gestellt.

Ein Rest-Risiko bleibt immer. Für den, der die Geschichte macht. Viel mehr noch für den, der sie erzählt. Der manchmal gar nicht ahnt, was für einen medialen Aufschrei ein Einzelner auslösen kann. Und dass die öffentliche Tortur erst dann so richtig losgeht.

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Unerwünschte Aufklärung – Was aus den Kronzeugen im Radsport geworden ist (I)

von Ralf Meutgens und Fred Kowasch

Vor acht bis zehn Jahren sorgten ihre Fälle für Schlagzeilen. Insider aus dem Radsport, die ihr Wissen öffentlich machten. Über Dopingpraktiken berichteten, über die Mittäterschaft von Trainern, Ärzten und Funktionären sprachen. Ihre Aussagen schockierten die Öffentlichkeit, gaben einen Einblick in die bis dahin weitgehend verdeckten Strukturen im professionellen Radsport. Die Folgen jedoch waren überschaubar. Konsequenzen gab es so gut wie keine. Eine Serie über Whistleblower, ihre Motive und die Konsequenzen.

Der vielversprechende Amateursportler:

"Jederzeit würde ich es wieder tun. Es ist der richtige Weg um zur Aufklärung der Dopingproblematik beizutragen." 

radsport2Er war ein vielversprechender Amateursportler, kurz vor dem Sprung zum Radprofi. Philip Schulz gewann mehrere gutdotierte Rennen. Auch international. Bis er im Mai 2008 positiv auf Amphetamin getestet und für zwei Jahre gesperrt wurde. Unter Druck packte er aus. Berichtete darüber, wie er zum Doping kam. Wie ein älterer Trainingskollege aus der Nachbarschaft mit verbotenen Medikamenten einen regelrechten Handel trieb. 

Als bislang einziger Amatersportler im Radsport fand bei ihm eine Kronzeugenregelung der  Nationalen Antidopingagentur (NADA) Anwendung. Aufgrund seiner umfassenden Aussage verkürzte der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) seine Sperre um ein Jahr. Schulz detaillierte Schilderungen führten zu umfangreichen Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft. 

In der Folge deckten sie ein umfassendes Geflecht aus Korruption in einer Winzergenossenschaft auf. Obwohl er körperlich bedroht wurde, blieb Philip Schulz auch vor Gericht bei seinen Aussagen. Auch wenn er seine Vorwürfe gegen den BDR später modifizierte: seine Aussage gab erstmalig einen detaillierten Einblick in das geschlossene System des Amateurradsports. 2013 hat sich Philipp Schulz, der mittlerweile Vater zweier Kinder ist, vom Leistungssport zurückgezogen.

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Sport inside Special: Falsches Spiel - Wettmanipulation Im Tennis

Ein Film von Benjamin Best, Fred Kowasch und Tom Mustroph
Sport inside Special, WDR Fernsehen, Sonntag, 7.5.2017, 22.05 - 22:35 Uhr

In kaum einem anderen Sport ist es so leicht zu manipulieren wie in der Einzelsportart Tennis. Der sogenannte "weiße Sport" kämpft seit mehr als zehn Jahren mit massiven Vorwürfen: Betrug, Manipulation, Vertuschung. Wettsyndikate, vor allem aus Russland, Südamerika und Italien, sind auf der Suche nach Tennisspielern, die für Geld Spiele manipulieren. Experten schätzen den weltweiten Umsatz bei Tennis-Wetten auf fünf Milliarden Euro. 

Im vergangenen Jahr haben die internationalen Tennisverbände 292 verdächtige Matches gemeldet. So viele wie nie zuvor. Mittlerweile kommen 80 Prozent aller verdächtigen Sportereignisse in Bezug zu Wettmanipulation aus dem Tennis. Seit Jahren stehen die internationalen Tennisverbände in der Kritik, zu wenig gegen die Manipulation zu unternehmen.

'Sport inside' Spezial: Falsches Spiel - Wettmanipulation im Tennis (Doku, 30 min) from interpool.tv on Vimeo.

Vor allem Tennisturniere der zweiten bzw. dritten Kategorie, sogenannte Challenger- und Future-Turniere, sind für Betrug anfällig, weil hier das Schmiergeld höher sein kann als die geringen Preisgelder. "Die Wettbetrüger sind keine dummen Menschen, ganz im Gegenteil die wissen genau wen sie ansprechen müssen, wo die Saat auf fruchtbaren Boden trifft", erklärt Tennisprofi Andrea Petkovic gegenüber Sport inside. Sport inside trifft Ermittler, spricht mit Tennisprofis und stößt bei den Tennis-Weltverbänden auf eine Mauer des Schweigens.

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sport inside: Noch immer ungeklärt - Der Fall Mike Polley

Vor 28 Jahren wurde Mike Polley, Fan des FC Berlin, am Rande der Partie Sachsen Leipzig - FC Berlin von einem Polizisten erschossen. Bis heute sind die Begleitumstände des gewaltsamen Todes ungeklärt – "sport inside" über ein trauriges Kapitel deutsch-deutscher Sportgeschichte.

Am 3. November 1990 starb in Leipzig der Berliner Fußballfan Mike Polley – getötet durch eine Polizeikugel. 58 Schüsse peitschten an diesem Samstagnachmittag am S-Bahnhof in Leipzig-Leutzsch durch die Luft. Abgegeben durch neun Polizisten, die sich in Bedrängung wähnten. Sie hinterließen fünf zum Teil Schwerverletzte und einen Toten. Mike Polley, 18 Jahre und Anhänger des FC Berlin. Es war das erste Mal dass in Deutschland ein Mensch am Rande eines Fußballspieles durch eine Polizeikugel starb. Vorausgegangen waren an diesem Nachmittag heftige Auseinandersetzungen zwischen Hooligans und Polizisten. Mehrere Einsatzwagen hatten die Ordnungshüter im Umfeld des Stadions dabei eingebüßt. Zwei von ihnen brannten.

25 Jahre später erhält "sport inside" als erstes Medium überhaupt Einblick in die Ermittlungsakte. Neun Schnellhefter, verstaubtes Papier, voll mit Dutzenden Zeugenbefragungen, psychiatrischen und psychologischen Einschätzungen, ballistischen Gutachten. Auch den Versuch einer Rekonstruktion des Geschehens hatten die Ermittler damals vorgenommen. Die hunderte Seiten starke Akte vermittelt den Eindruck: Hier wurde umfassend untersucht. Doch stimmt das wirklich? Weshalb Mike Polley erschossen wurde, dafür liefern die Leipziger Ermittlungsakten keine schlüssige Begründung. Ebenso wenig wurde geklärt, wer Mike Polley tatsächlich erschossen hat. Und ob sich die flüchtenden Polizisten wirklich in der von ihnen angegebenen Notlage befanden, als der Einsatzleiter den Befehl zum Schusswaffeneinsatz gab. (Text WDR)

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