'Inside Black Block': "Elbchaussee, super Aktion ...." - "Halts Maul!"

von Fred Kowasch, Hamburg

10.07.2020

"Elbchaussee, super Aktion. Feuer und Flamme der Repression!" - "Halts Maul!" An diesem Freitag Nachmittag stehen sich in Hamburg-Altona, auf dem selben Weg, auf dem der gewalttätige Protestzug des 'Schwarzen Blockes' vor fast exakt drei Jahren lief, Demonstranten und Anwohner unversöhnlich gegenüber. Wütende Blicke am Strassenrand, dass Handy flimt fast immer in Richtung der Schwarzgekleideten, die - Corona macht es möglich - vermummt sind. Ein Immobilienbüro hat am Vormittag seine Fensterfront mit Sperrholzplatten versiegeln lassen.
elbchausseedemoDrei Jahre danach. Demonstration am 10. Juli 2020 auf der Hamburger Elbchaussee. Screenshot: interpool.tv

Einige, die jetzt lautstark über die Elbchaussee laufen, waren bereits am Morgen im Einsatz. Soll heißen: vier Stunden beim Protestcamp vor dem Hamburger Landgericht. Vier Stunden ausharren im strömenden Dauerregen. Bis die Urteilsverkündung im ersten Elbchausseeverfahren vorbei ist, die Angeklagten das Gerichtsgebäde verlassen haben. Drei Jahre Haft bekommt einer von ihnen. "This is not justice, this is shit!" sagt Loic S anschließend in einer kurzen Erklärung vor dem Gerichtsgebäude. Fast fünf Jahre Haft hatte die Staatsanwaltschaft für ihn gefordert. Die anderen erhalten Bewährungs- oder Geldstrafen. Soziale Arbeit inclussive. Obwohl eine gewisse Erleichterung in Gesprächen zu spüren ist, kann sich hier kaum einer über das Urteil so richtig freuen.

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'Inside Black Bloc': Bewurf mit Mamorsteinen - der 6. Dezember in Athen

von Fred Kowasch, Athen

Der 6. Dezember ist in Exarchia so etwas wie - früher - der 1. Mai in Kreuzberg. Leere Straßen. Am Rande brennen ein paar Feuer. Steine fliegen. Nur sind sie hier aus Mamor. Und werden gezielt auch mal auf Journalisten geworfen. Dass ist der Unterschied ….

athen 0612 demo zwoelf uhr28 Stunden Athen. Drei Demonstrationen miterlebt. Die auf dem immergleichen Weg gingen. Laut waren. Am Ende ist da jedoch nix passiert. Eine materialisch ausgerüstete Polizei, die fast den ganzen Weg mit Gasmasken bestreitet. Später werde ich wissen wieso.

Mädels und Jungs - die meisten von Ihnen noch keine zwanzig - die fast beiläufig zur Demo mit einem Motorradhelm angeschlendert kommen. Um dann - im ‚Black Block‘ materialisch aufzutreten. Eine interessante und sehr spezielle Formation hier in Griechenland. Details gibt es allerdings erst später - in unser gleichnamigen Dokumentation.

Eigentlich ist der 6. Dezember für die anarchistische und autonome Szene so etwas wie ein Gedenktag. An diesem Tag wurde vor elf Jahren der 15jährige Alexis Griporopoulos von einem Polizisten in Exarchia erschossen. Deshalb auch ziehen die Demonstranten nach ihrem Aufzug am Abend direkt ins Viertel.

Dieses ist fast menschenleer. Keine Autos an der Straße, kaum Licht in den Wohnungen, alle Geschäfte geschlossen. Über allem kreist, gespenstig fast schon, ein Hubschrauber. Am Straßenrand vereinzelt Müllhaufen, die von Schwarzgekleideten angezündet werden. Polizisten stehen in einiger Entfernung, lucken vorsichtig um die Ecken herum. Ein paar Straßen weiter sind zwei Wasserwerfer im Einsatz. Einer löscht gerade ein Feuer.



In gut Hundert Meter Entfernung - am Exarchiaplatz - geht es rund. Menschen rennen, Qualm steigt auf. Mit ein paar Kollegen gehe ich dorthin. Der Qualm ist beizend, neben mir husten ein paar neugierige Passanten. Tränen in den Augen. Ein Glück dass ich vorher noch diese Gasmaske bei einem Straßenhändler in der Athener Altstadt gekauft habe. Zehn Euro, gut angelegt.

Plötzlich werden wir beworfen. Die Steine, kommen vom Exarchia-Platz her. Rennen. Den Weg zurück. Flüchten hinter die Absperrungen. Nehmen die Masken ab. Verschnaufen. Über dem Viertel liegt ein ätzender Tränengasnebel. Ein paar Straßen entfernt geht es weiter. Eine Polizeieinheit wird mit Steinen beworfen. Einzelne von einem grünen Laser geblendet. Immer und immer wieder. Fast stoisch nehmen sie es hin.

Zusammen mit einer Gruppe Journalisten beobachten ich die Szene. Suche Deckung hinter ein paar Stützpfeilern. Als der Steinbewurf stärker wird, auch wir werden unter Bewurf genommen. Plötzlich: drei Detonationen. Dann stürmen die Cops vor. Einer wird festgenommen. Dann ist Ruhe im Viertel. Nach nicht mal einer Stunde ist das Spektakel beendet.

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Hambacher Forst: Hausbesetzung in Morschenich

Hausbesetzer, Anarchisten, Autonome. Aktuell arbeiten wir an unserem Dokumentarfilmprojekt 'Inside Black Block'. Im Rahmen der Dreharbeiten verfolgen wir dabei auch die Ereignisse am Hambacher Forst. Jüngst haben wir bei einer Hausbesetzung in Morschenich gedreht. Im Folgenden ein paar laufende Bilder zur Motivation der Klimaaktivisten, über Klettercops und wie eine einsame Straße am Wald plötzlich Leben erfährt.

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Sturm in den Tagebau: Proteste im Rheinischen Braunkohlebecken

Ende Juni. 40.000 bei 'Fridays for Future' in Aachen sowie die Blockade der Nord-Süd-Bahn beim Kraftwerk in Neurath. Einen Tag später: mehrere Hundert Demonstraten durchbrechen Polizeiketten und stürmen in Richtung Tagebau. interpool.tv hat eine dieser Gruppe - den sogenannten roten Finger - begleitet. Nachdem stundenlang nix geschah, gemächlich auf einer Straße getrottet wurde, ging es plötzlich ab ....  

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